Kilian Ziegler aus Marktheidenfeld, der 1698 nach Freudenberg heiratete, ist nicht nur der Urahn der Brauerei und Brennerei Ziegler in Freudenberg, sondern auch der gleichnamigen Brauerei in Walldürn. Einer der Enkel – wie seine Vorfahren von Beruf Bäcker – verheiratete sich 1803 nach Walldürn in eine Bäckerei, die er später aufgab. Danach betrieb er nur noch Handel.
Der Sohn Philipp Joseph Franz Ziegler (1807-1884) lernte in Rothenburg ob der Tauber das Brauerhandwerk und in Karlsruhe die Küferei. Dann ging er auf Wanderschaft, arbeitete u..a. in der welschen Schweiz und in Südfrankreich und erwarb auch den Meistertitel. Nach seiner Rückkehr in die Heimat verehelichte er sich mit Franziska Eckardt. In einer Familienchronik von 1914 heißt es wörtlich: „Durch treues Zusammenarbeiten, Fleiß, Sparsamkeit und Gottes Segen haben sie sich von kleinen Anfängen emporgearbeitet. Auf das einstöckige Brauhaus, das der Vater erworben, haben sie noch zwei Stockwerke gebaut, die zweite Hälfte des Wohnhauses dazu gekauft, die Brauerei nach und nach vollständig neu eingerichtet, einen großen Keller unter die vordere Scheuer gebaut, einen tiefen Brunnen gegraben(trotz der Tiefe keine Quelle gefunden) und später, im Jahre 1870, den großen, schönen Bierkeller gebaut.“
Leider geht aus der erwähnten Chronik nicht hervor, wann und von wem Philipp Ziegler die offensichtlich schon bestehende Brauerei gekauft hat. Der Kauf erfolgte wohl um 1840. Der 1870 errichtete Bierkeller lag an der Seestraße, in der Nähe der heutigen Umgehungsstraße(B 47). Er lag 8 m tief im Berg. Daran anschließend befand sich ein Eiskeller. Das benötigte Eis wurde aus einem ganz in der Nähe liegenden Teich gewonnen. Hier wurde auch eine Sommerwirtschaft mit Kegelbahn betrieben, die sich guten Zuspruchs erfreute. Das Elternhaus war in der Hauptstraße 17.
Die darin bestehende Gastwirtschaft nannte sich erst im 20. Jahrhundert „Zum Burgtor.“ Brauerei und Landwirtschaft befanden sich etwa 50 m entfernt in der Turmgasse 14. In der Brauerei war auch ein Göpel installiert, durch welchen verschiedene Aggregate angetrieben wurden. Über einer Scheuer war ein Malzspeicher eingerichtet. Es handelte sich vermutlich nur um einen Vorratsspeicher, denn sonst deutete nichts auf eine eigene Mälzerei hin.
Wahrscheinlich in den frühen 80er Jahren des 19. Jahrhunderts übernahm der Sohn von Philipp, Karl Adolf Ziegler (1852 – 1919), die Geschäfte. Er war ebenfalls gelernter Bierbrauer und betrieb zusammen mit seiner Ehefrau Maria Theresia, geb. Leiblein, auch die Gastwirtschaft. Aus einer Gewerbeliste ist zu entnehmen, dass Philipp Ziegler 1881 zwei Beschäftigte versteuerte. Somit kann man mit Sicherheit annehmen, dass es sich hier um eine gewerbliche Brauerei handelte, die auch andere Gastwirtschaften belieferte.
1888 erschütterte ein schreckliches Unglück die Familie Ziegler und ganz Walldürn. Das betraf zwar nicht unmittelbar die Bauerei, sollte aber hier doch Erwähnung finden. Eine Schwester von Karl Ziegler war mit dem Buchbinder Wilhelm Blau verheiratet. Sie besaßen ein Haus in unmittelbarer Nachbarschaft der Zieglers auf der anderen Straßenseite. Bei einem Umbau stürzte das Haus wegen unsachgemäßer Zimmermannsarbeit ein und begrub zehn Menschen unter sich. Das Unglück forderte mehrere Verletzte und drei Tote, darunter Elisabeth Blau, die Schwester des Bierbrauers Ziegler.
Über den Zeitpunkt der Schließung der Brauerei und die Gründe dafür ist wenig bekannt. Es wird das Jahr 1902 genannt. Zu vermuten ist allerdings, dass der Braubetrieb erst einige Jahre später eingestellt wurde.